Projekt Naturstadt 2020

Foto: Harald Godron

Die Idee

Eine grüne Achse oder grünes Band durch den Ort zu führen, entstand aus den Erfahrungen der teils sehr heißen und regenarmen vergangenen Jahre.
Im Jahr 2015 wurde Kitzingen mit 40,3 Grad zum heißesten Ort Deutschlands. Im Jahr 2018 mussten wir schon im April viele Tage mit Temperaturen über 25 Grad erleben. Im gleichen Jahr waren im Juli und August 33 aufeinanderfolgende Tage, an denen es tagsüber an oder über 30 Grad heiß war. Für Mensch, Tier und Natur eine echte Herausforderung.
Uns ist zwar klar, dass wir das Klima insgesamt natürlich nicht alleine von Wiesentheid aus beeinflussen können, aber wir sind uns sicher, dass wir als Gemeinde durchaus einen Beitrag zur Verminderung des Temperaturanstiegs leisten können. Als wir nach der Kommunalwahl in den Arbeitsgruppen an die Umsetzung unserer Ziele gingen, kamen wir auf das Projekt „Naturstadt – Kommunen schaffen Vielfalt“ und hier ganz speziell auf den Wettbewerb.

Der Wettbewerb

Vom 1. Februar bis 30. Juni 2020 konnten sich Städte und Gemeinden in ganz Deutschland am Wettbewerb mit Projektideen zur Förderung der Stadtnatur und Insekten beteiligen. Insgesamt wurden 332 Wettbewerbsbeiträge eingereicht.
Eine Jury aus Expert*innen wählt nun die besten 40 Projektideen aus. Diese werden im November 2020 in Berlin als „Zukunftsprojekte“ feierlich ausgezeichnet und jeweils mit 25.000 Euro prämiert.

Die Jury beurteilt, inwieweit die eingereichten Projektideen

  • zu Verbesserungen für Stadtnatur, Insekten und deren Lebensräumen führen,
  • zu Umweltbildung und gesellschaftlichem Engagement beitragen,
  • nachhaltig wirken,
  • vorbildlich und
  • innovativ sind.

Die Kommune hat nach der Auszeichnungsfeier zwei Jahre Zeit, ihre prämierte Projektidee umzusetzen, d.h. bis zum November 2022. Dafür steht ihr das Preisgeld zur Verfügung, dass sie diesem Zwecke entsprechend verwenden muss. Die Kommunen erhalten in allen notwendigen Schritten Beratung und Unterstützung durch die Mitarbeitenden des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“ Ebenso findet während der Umsetzungsphase ein Vor-Ort-Besuch des Bündnisses in jeder Kommune statt. Hierbei werden der Stand der Umsetzung besprochen und die Projektflächen begangen.

Der Standort

Quelle: Bayernatlas

Ein am südlichen Rand der Wiesentheider Grund- und Mittelschule gelegenes Grundstück am Sambachfall erwies sich als ideal, um viele der vom Wettbewerb geforderten Elemente zu integrieren. Das Grundstück befindet sich im Besitz der Gemeinde und der derzeitge Pächter wird das Gelände in Kürze freigeben. 

Die Umsetzung

Zeichnung: Norbert Schneider

In der Projektidee steckt der Ansatz des Naturerlebnisraums. Durch die Einbindung der Grund- und Mittelschule in das Projekt, jedoch zeitgleich auch dem uneingeschränkten Zugang der Öffentlichkeit auf das Gelände, wird einerseits eine weitere Möglichkeit für den naturkundlichen Bildungsauftrag geschaffen und anderseits ein Begegungsort für Jung und Alt in urbaner Natur zur Verfügung gestellt.

Themenschwerpunkte im Projekt sind

  • Spiel und Bewegung
    Hier sehen wir vielgestaltige Hügellandschaften, Wasserspiel-Gelände im Bachlauf, Tritt- und Sprungsteine im Wasser sowie ein Sandmatsch-Gelände und Balancier- Kletter- oder Sprungbäume
  • Naturerlebnis und Artenschutz
    Felsen und Findlinge, Trockenhänge mit Wildblumen und Kleingehölzen, Blumenwiesen und „lebende“ Zäune werden sowohl als Abgrenzung als auch Blickfang eingesetzt. Dadurch finden Insekten reichlich Nahrung und zugleich Schutz
  • Ruhe und Kommunikation
    Die in einem Halbrund angeordneten Muschelkalkquadersteine als Sitzgelegenheit im grünen Klassenzimmer (die auch für andere Veranstaltung nutzbar sind) sowie weitere Ruheplätze laden zum Verweilen und zum Gespräch ein.
  • Kunst und Kreativität
    Mosaikobjekte aus verschiedenen Materialien, bunte Holzskulpturen und kreative Naturzäune werten den Ort weiter auf

Sicher ist der Naturerlebnisraum auch als touristisches Highlight anzusehen. Infotafeln können die umgesetzen Dinge erklären. Sie können aber auch historisches erzählen. Denn an diesem Ort befand sich das frühere Schwimmbad von Wiesentheid.

Der Zeitrahmen

  • Juli bis November 2020
    Endscheidungsphase des Wettbewerbs
  • Bis Frühjahr/Sommer 2021
    Konzeption und Ausführungsplanung, Projekttage mit den Schulen, Infoveranstaltungen und vorbereitende Baumaßnahmen
  • Ab Herbst 2021
    Bauliche Umsetzung des Wassererlebnisraums, des Kommunikations- und Ruhebereichs sowie die Vorbereitung des Projektgartens „Insektenparadies“
  • Ab Frühjahr 2022
    Bepflanzungen und naturgestalterische Maßnahmen, weitere Projekttage der Schulen, Infotafeln gestalten und aufstellen
  • Sommer 2022
    Abschluss der Maßnahmen und Durchführung eines Sommerfests zur Einweihung
  • Folgejahre ab 2022
    Pflege und Erhaltungsmaßnahmen durch öffentliche und private Träger

Die Kooperationspartner

Foto: Pixabay

Das Projekt lässt sich nur mit vielen engagierten Händen realisieren. Wenn es gelingt, viele Menschen für das Projekt zu begeistern, so ist auch die Akzeptanz und Nutzung gewährleistet. Folgende Zusagen wurden der Projektidee gegenüber bereits bekundet:

  • Nikolaus-Fey-Volksschule Wiesentheid
  • Nikolaus-Fey-Mittelschule Wiesentheid
  • Gymnasium Steigerwald Landschulheim Wiesentheid, Koordinator „Umweltschule“
  • Bund Naturschutz e.V. in Bayern; Ortsgruppe Wiesentheid
  • Landesbund für Vogelschutz; Kreisgruppe Kitzingen
  • Arbeitskreis „Heimat erhalten – ökologisch gestalten“
  • Interkommunale Allianz „Dorfschätze“

In dazu stattfindenden Bürger*innen-Workshops soll darüber hinaus weitere Unterstützung und Ideen-Input eingeholt werden. So kann auch das gesellschaftliche Miteinander gestärkt werden.

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